Am Montag wurde Aeroflot, Russlands größte Fluggesellschaft, Opfer eines schweren Cyberangriffs. Dutzende Flüge mussten gestrichen werden, und es kam zu erheblichen Verspätungen am Moskauer Flughafen Scheremetjewo, einem der verkehrsreichsten Flughäfen des Landes. In den Terminals herrschte große Nervosität und Verwirrung unter Tausenden von Passagieren, die nach alternativen Flügen suchten, während die Fluggesellschaft versuchte, die Krise zu bewältigen.
Der Vorfall ereignete sich mitten in der Hauptreisezeit und verschärfte die Folgen für Reisende und die Fluggesellschaft selbst. Flugausfälle in Russland sind zwar seit Beginn des Ukraine-Konflikts nichts Neues und werden in der Regel durch Drohnenangriffe verursacht, doch in diesem Fall waren die Auswirkungen auf die digitale Infrastruktur von Aeroflot besonders gravierend, beeinträchtigten den Flugbetrieb und führten zu erheblichen finanziellen Verlusten.
Koordinierter Cyberangriff und öffentliche Rechtfertigung
Die ukrainische Hackergruppe Silent Crow und die belarussischen Aktivisten von Cyber-Partisans bekannten sich in Stellungnahmen in den sozialen Medien zu dem Angriff. Beide Gruppen erklärten, die Operation monatelang geplant zu haben. Es sei ihnen gelungen, die Sicherheitsvorkehrungen von Aeroflot seit etwa einem Jahr zu durchbrechen und Zugriff auf eine große Menge interner Daten und Kundendaten zu erlangen . Laut ihren Aussagen zerstörten sie bis zu 7.000 Server und übernahmen die Kontrolle über zahlreiche Computer von Mitarbeitern und Führungskräften.
Silent Crow drohte sogar damit, sensible Daten aller Passagiere zu veröffentlichen, die jemals mit der Fluggesellschaft geflogen waren. Cyber-Partisans behauptete, das Ziel sei es, dem russischen Luftfahrtsektor wirtschaftlichen Schaden zuzufügen und die ukrainische Sache zu unterstützen. Sie betonten, die Zusammenarbeit beider Gruppen sei entscheidend, um Schwachstellen in den Computersystemen von Aeroflot auszunutzen.
Gravierende Sicherheitsmängel und interne Kritik
Ein wesentlicher Teil des Erfolgs des Angriffs war laut den Hackern selbst auf mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen bei der Fluggesellschaft zurückzuführen . Berichten zufolge verwendete der CEO, Sergei Alexandrovsky, seit mindestens 2022 dasselbe Passwort, und das Unternehmen nutzte weiterhin veraltete Systeme wie Windows XP und Windows Server 2003. Diese Umstände erleichterten den unbefugten Zugriff auf und die Manipulation der Systeme.
Yuliana Shemetovets, eine Vertreterin von Cyber-Partisans, erklärte, dass einige Daten und Ressourcen vollständig zerstört worden seien, was zu strategischen und finanziellen Schäden geführt habe , von denen sich Aeroflot nur schwer erholen könne.
Auswirkungen auf den Betrieb: Flüge gestrichen und Passagiere betroffen
Der Flughafen Scheremetjewo war am stärksten von dem Computersystemausfall betroffen . Aeroflot musste am Montag über 100 Flüge streichen und viele weitere, darunter Inlands- und Auslandsflüge, verspäten. Auch die Tochtergesellschaften Rossiya und Pobeda waren betroffen, was die Störungen noch verschärfte.
Gestrandete Passagiere drängten sich in den Terminals und warteten auf eine Lösung. Die Fluggesellschaft forderte die Betroffenen auf, ihr Gepäck abzuholen und den Flughafen zu verlassen. Dies führte mitten in der Sommersaison zu langen Warteschlangen und einer chaotischen Atmosphäre.
Ebenso wurden viele für den Folgetag geplante Flüge gestrichen. Die Störung der Informationssysteme beeinträchtigte Online-Dienste und die Bearbeitung von Rückerstattungen und erschwerte den Kundenservice.
Wirtschaftliche Verluste in Millionenhöhe und offizielle Reaktion
Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Verluste der Fluggesellschaft allein am ersten Tag 250 Millionen Rubel (etwa drei Millionen US-Dollar) überstiegen. Diese Zahl beinhaltet nicht die Kosten für die Wiederherstellung der Systeme, Entschädigungen an Kunden oder Reputationsschäden, die die Gesamtkosten auf mehrere Milliarden Rubel erhöhen könnten.
Der Kreml bezeichnete den Angriff als „alarmierend “. Dmitri Peskow, der offizielle Sprecher, erklärte, dass Vorfälle dieser Art die anhaltenden Cyberbedrohungen für große Unternehmen, die Dienstleistungen für die Öffentlichkeit erbringen, verdeutlichen.
Aus diesem Grund hat die russische Generalstaatsanwaltschaft gemäß Artikel 272 des Strafgesetzbuchs eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet, um die Täter und das Ausmaß des Cyberangriffs zu ermitteln.
Kontext: Aeroflot und das aktuelle geopolitische Umfeld
Trotz internationaler Sanktionen und des Konflikts mit der Ukraine zählt Aeroflot gemessen am Passagieraufkommen weiterhin zu den weltweit führenden Fluggesellschaften. Dieser Angriff verdeutlicht die Anfälligkeit des russischen Luftfahrtsektors gegenüber der zunehmenden Raffinesse von Cyberangriffen.
Den Hackern zufolge zielte die Operation darauf ab, wichtige digitale Infrastruktur zu beschädigen und die Ukraine im Konflikt mit Russland zu unterstützen. Die Situation hat gezeigt, dass technologische Netzwerke im Kontext von Krieg zu einem neuen Schlachtfeld geworden sind.
Dieser Vorfall ist einer der schwersten Rückschläge für die russische Luftfahrt seit Beginn des Konflikts und stellt die Fähigkeit der russischen Fluggesellschaften in Frage, ihre Systeme vor immer komplexeren Bedrohungen zu schützen. Tausende Passagiere mussten ihre Flüge absagen, und der Ruf von Aeroflot ist in einer für die russische Luftfahrtindustrie kritischen Zeit schwer beschädigt.
